Grundstück (eine saubere Intervention) / 04.06.2005 - 19.06.2005 / Schulenburger Landstraße, Hannover



Grundstück (eine saubere Intervention) war ein temporäres Projekt, verortet in der Peripherie Hannovers. Die Künstlerinnen Bärbel Schlüter und Andrea v.Lüdinghausen entwickelten zwei Arbeiten im Umfeld urbaner Zergliederung.

Je weiter man die Schulenburger Landstraße stadtauswärts fährt, desto extremer mischen sich Inhalte und Maßstäblichkeiten: unterschiedlichste Gebäudetypen und Flächennutzungen stehen nebeneinander. Das Einfamilienhaus steht neben dem Straßenbauunternehmen, der Imbisswagen grenzt an einen riesigen Baumarkt, die kleine orthodoxe Kirche an einen Autohändler – dazwischen immer wieder ungenutzte Räume: verlassene Supermärkte, brachliegende Fertigungshallen, Drive-Ins.

Auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Chamissostraße befindet sich ein umzäuntes Grundstück, darauf eine ehemalige Tankstelle. Die Gestaltung der Gebäude ist pragmatisch: ein weiß gekachelter Kubus mit Satteldach war für den Kundenverkehr vorgesehen, daneben diente eine kleine Montagehalle dem Öl- und Reifenwechsel.

Dieser Ort vergangener Zukunftseuphorie war 3 Wochen lang Schauplatz für das Projekt Grundstück (eine saubere Intervention). Die Künstlerinnen unterzogen die spezielle Raumkonstellation ihren künstlerischen Fragestellungen und formulierten jeweils eigenständige Arbeiten. So thematisierten sie indirekt die Situation in der Peripherie und ließen Wechselbeziehungen zwischen dem Ort und seiner raumbezogenen Füllung entstehen.

Andrea v.Lüdinghausen setzte einen großen weichen Körper in den Zwischenraum zwischen Tankstellendach, -boden und einem martialischen Zaun, der, mit scharfen Stahlspitzen bewehrt, mehr als deutlich die Grenze zwischen privat und öffentlich markiert. Das große weiße Objekt aus Füllwatte schien sich aus dem Raum unter dem Dach in Richtung Straße und davor liegender Straßenbahnhaltestelle herauszuquetschen und versah die gesamte Situation mit einem paradoxen Moment.

Bärbel Schlüter platzierte ihren künstlerischen Eingriff im Innenraum der Montagehalle. Bezug nehmend auf den Stillstand und die Weite der ehemaligen Lagerflächen überzog sie die leeren Stahlgestelle, die den Durchfahrtsraum beidseits flankierten, mit einer Haut aus Gewebeplane und fixierte die festen Untergründe mit einer Textur aus transparentem Klebeband. Ähnlich einem Röntgenbild trat die formgebende Struktur der Körper in den Vordergrund. Die Installation thematisierte das ambivalente Spiel von Verschwinden und Aufscheinen, Leeren und Füllen.

Zum Projekt Grundstück (eine saubere Intervention) erschien ein Katalog.


KünstlerInnen: Andrea v.Lüdinghausen und Bärbel Schlüter





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