Jean Guillaume Ferrée: Table de nuit, 1967 / Assemblage / 2005


Der Künstler Dirk Dietrich Hennig arbeitet seit Jahren erfolgreich an seiner eigenen Unsichtbarkeit. Als Autor eigener Werke tritt er kaum in Erscheinung, vielmehr nimmt er die Rolle eines Vermittlers ein, der anderen zur Sichtbarkeit verhilft: vergessenen Künstlern wie George Cup und Steve Elliot oder Jean Guillaume Ferrée, als deren Kurator, Nachlassverwalter und Biograf er auftritt. (...) Die Kunstgeschichte wird beständig umgeschrieben, nicht zuletzt durch die je aktuelle Künstlergeneration. Schon die Neo-Avantgarde um 1960, die Generation Ferrées, entdeckte Duchamp und Dada neu, in jüngerer Zeit kennt man ähnliches unter dem Begriff des Artists’ Artist. Halbvergessene Künstler wie Bas Jan Ader oder Paul Thek wurden erneut einem größeren Publikum bekannt, weil sich jüngere Künstler/innen für ihr Werk stark machten. Dirk Dietrich Hennig geht nur einen Schritt weiter: Seine hätte es ohne ihn nie gegeben. (...) Wo er Lücken in der Geschichte nachspürt, in die er mit seiner eigenen Arbeit interveniert, scheint Hennig nach ungenutzten Möglichkeiten zu suchen. Keine der Arbeiten, die er seinen Künstlern zuschreibt, ist bloße Parodie. Vielmehr sind es formal durchgearbeitete, ästhetisch dichte Werke, denen er nachträglich einen ihnen angemessenen historischen Ort schenkt. Anders als für Ferrée gerät ihm dabei die Zeit nicht aus den Fugen, vielmehr fügt er sie so zusammen, dass sie uns reicher, geheimnisvoller und vielschichtiger als zuvor erscheint.  [ Roland Meyer ]




Jean Guillaume Ferrée / OWL2 - Marta Herford / 2009________________Jean Guillaume Ferrée: Sommet, 1957 / Collage / 2004


Dirk Dietrich Hennig wurde 1967 in Herford geboren und studierte an der Kunstakademie in Münster. Seit den späten 90er Jahren hat er ein vielschichtiges, multimediales Werk geschaffen, das immer wieder die Geschichtsrezeption und die Möglichkeiten der Geschichtsschreibung einer differenzierten Betrachtung unterzieht. Sein Werk umfasst Buchobjekte, Skulpturen, Musikkompositionen, Filme, fotografische Arbeiten sowie Modelle für Architekturen und Denkstrukturen. Diese behandeln erfundene Figuren der Geschichtsschreibung, die Hennig studiert und verkörpert um sie in kulturhistorischen Ausstellungen oder Retrospektiven zu präsentieren, analysieren und in ihrer konzeptuellen Dimension zu kritisieren. Neben anderen Stipendien erhielt Hennig 2007 das New York Stipendium des Landes Niedersachsens und 2008 den Kunstpreis der Sparda-Bank Hannover-Stiftung.

Ausstellungen / Auswahl: 2012 Made in Germany Zwei, Kestnergesellschaft sowie Sprengel Museum und Kunstverein Hannover / 2011 Launch of The Encyclopedia of Fictional Artists + The Addition, David Roberts Art Foundation, London / Architectures de film, Centre George Pompidou Paris / 2010 The heritage of De Stijl - The Square the Line and the Light, Tate Modern London / L’AXE DU MAL - La basse résolution à son meilleur niveau, Auditorium Fondation Arditi Genf / 2009 hier und anderswo - OWL 2, MARTa Herford / BLACKED OUT III., Vertretung des Landes Niedersachsens in Berlin / 2008 BLACKED OUT I., Kunstverein Wolfsburg / BLACKED OUT II., Städtische Galerie Nordhorn / 2007 European Triennial of Small Sculpture, Murska Sobota Slowenien / 2005 Jamais vu, Musée Ferrée temporairement Heiligenrode / Bremer Kunstfrühling, Paula Modersohn-Becker Museum Bremen / 2003 Gustav Szathmáry, Roselius Museum Worpswede / Hinrich von Hagens Schatz im Aasee, Wewerka Pavillon Münster / 1998 Gründung des Instituts für Geschichtsinterventionen



Weitere Informationen:
www.dirkdietrichhennig.com


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Dirk Dietrich Hennig